Does anybody else in here feel the way I do?”
— Pink Floyd
Besuch beim Konzert von "Beyond - Pink Floyd Tribute" in Bad Tölz
Ein Kollege von mir ist Keyboarder in der Pink-Floyd-Tribute Band "Beyond". Er hat mich schon immer mal wieder gefragt, ob ich zu einem Konzert kommen möchte, aber meistens spielen die im Raum Rosenheim und für einen alten Mann wie mich ist das abends etwas weit. Jetzt aber waren sie in Tölz, das ist okay.
Von Pink Floyd kenne ich nur drei Alben und bei einem davon gefallen mir die meisten Songs eher nicht. Aber Livemusik ist immer etwas Gutes, also gehen wir hin und schauen mal! Die Location ist der örtliche Kursaal, warum nicht. Die meisten Songs von Pink Floyd sind im letzten Jahrtausend entstanden, genauso das Publikum und so der Saal.
Bestuhlt versteht sich, obwohl ich manchmal noch das Gefühl habe, zwei Stunden zur Not auch stehend überleben zu können. Aber das mag nicht auf jeden Zuschauer gleichermaßen zutreffen.
Was die Band dann auf die Bühne gezaubert hat war beachtlich, besonders wenn man bedenkt, dass es sich nicht bei allen Mitgliedern um professionelle Musiker handelt (mein Kollege programmiert viel, also immerhin auch eine Tätigkeit, wo man häufig die Finger auf den Tasten hat). Unterstützt wird die Musik von einer sehr aufwändig wirkenden Lightshow und das trifft auch auf die Videos im Hintergrund zu. Etwas weniger Nebel könnte allerdings manchmal nicht schaden und das gleiche trifft für meinen Geschmack auch auf Bass und Hall zu.
Aber insgesamt muss man sagen, Hut ab! Die Arrangements sind absolut originalgetreu und der Musik hört man es nicht an, dass es sich dabei um ein Nebenprojekt handelt. Klar, die Schärfe der Stimme von Roger Waters bekommt jemand, der nicht Roger Waters heißt, schwer hin und die Akzentuiertheit des Gitarrenspiels von David Gilmour ist vermutlich auch kaum zu erreichen. Nicht umsonst wird das Gitarrensolo in "Comfortably Numb" von vielen als das beste der Rockgeschichte betrachtet.




Etwas schade fand ich, dass "In the Flesh" (als Opener) nur im Radio Edit (ohne die zweite Strophe) gespielt wurde. Klar, Roger Waters setzt sich als einer der prominentesten Vertreter der BDS-Bewegung natürlich (um es vorsichtig zu formulieren) dem Verdacht des Antisemitismus aus und da wird dann gerne besagte zweite Strophe als Beleg angeführt. Ich halte das für falsch, weil ich denke, dass beides einfach nichts miteinander zu tun hat. Tatsächlich ist "In the Flesh" eines meiner drei Lieblingslieder von Pink Floyd. Heutzutage umso mehr aufgrund seiner Aggressivität und der grandiosen politischen Inkorrektheit. Und natürlich ist es wichtig zu wissen, dass der Song Bestandteil einer Geschichte ist, sonst versteht man ihn nicht.
Ich bin aber halt auch musikalisch als Punk sozialisiert. Punk wollte nie die Welt verbessern, sondern ihr zeigen, dass man sich nix scheißt. Wer es vergessen hat der kann gerne nachsehen, entweder bei den Ramones oder bei den Sex Pistols oder (für ganz hartgesottene, dafür ist es aber auch nach einer Minute wieder vorbei) bei Black Flag. Ja, Punk ist tot, aber er wurde von den eigenen Leuten umgebracht. Solchen nämlich, die begonnen haben, in Stadien Hymnen zu spielen und sich an Bundeskanzlerinnen ranzuwanzen. 🤮🤮🤮
Aber ich schweife ab und man muss natürlich auch bedenken, dass "The Wall" ein Konzeptalbum ist und deshalb alle Songs automatisch einen Kontext haben. Und ich sehe ein, dass es für eine Revival-Band ein klitzekleines bisschen problematisch ist, dem Publikum gleich beim ersten Song anzudrohen, es an die Wand zu stellen und die Leute bei der Gelegenheit auch noch unisono aus Gesindel zu bezeichnen ("Riffraff", bayerisch: Gschwerl).
Insgesamt war es für mich eine gelungene Show und ich komme auch gerne wieder!









